Professor Hubert Herkommer hat in Einstimmung auf das Jubiläum „400 Jahre Wallfahrtsstätte St. Salvator“ einen vielbeachteten Vortrag im VHS Saal gehalten. Er stellte dabei  den heiligen Berg der Gmünder in den Spiegel der europäischen Passionsfrömmigkeit. Zunächst unternahm Prof. Herkommer eine Zeitreise und schilderte die Ereignisse des ersten Karfreitags der Weltgeschichte. Zwischen den biblischen Berichten über die Passion Christi in Jerusalem und der Errichtung der Wallfahrtsstätte St. Salvator in Gmünd liegen rund 1500 Jahre. In diesem Zeitraum gab es „vieltausendfach überlieferte Zeugnisse der theologischen, künstlerischen und literarischen Auseinandersetzung mit Jesus von Nazareth als dem Gottessohn“. Schrit für Schritt wurden die Einflüsse der Typologie der Darstellungen und der theologischen Zeugnisse der Passionsgeschichte auf die Sakralkunst am St. Salvator erklärt. Unterstützt von excellenten Aufnahmen des Fotografen und Historikers  Johannes Schüle gab sich Prof. Herkommer einmal mehr als profunder Kunsthistoriker und Theologe zu erkennen. Interessant war auch seine Beschreibung des Wandels der Passionsgeschichte durch die Kirche. Im frühen Christentum wurde die grausame Hinrichtungsszenerie verklärt: Das Kreuz wurde bisweilen als herrliche Siegesthophäe verehrt. Auch in der romanischen Kunst wird Christus nicht als Leidender und Sterbender dargestellt, sondern als der am Kreuz triumphierende Herrscher und königlicher Richter. Erst Bernhard  von Clairvaux prägte eine ganz andere Passionsanschauung wie sie letztendlich auch am St.Salvator zu sehen und auch zu verspüren ist. Dieser Wandel ist auch in der Johanniskirche zu sehen. Der triumphierende Christus wurde zum Leidenden. Prof. Herkommer stellte fest: Die Kreuzwege Europas übertragen den Gang der Jerusalem Pilgerer in die heimische Umgebung. Ihre immer gleichen Stationen wollen die Gläubigen zum mitleidenden Nachgehen des Leidensweges einladen und sie zur Reue bewegen, die nach der Bußtheologie die Kraft besitzt, Sünden zu tilgen. Darin liegt auch der spirituelle Sinn auch der Gmünder Via Dolorosa begründet.